Notizen aus dem Off

Hallo, ich bin Oliver. Ich wurde unter den üblichen Umständen in einer Ruhrpott-Metropole Deutschlands geboren. Wenn mir nicht das Schubladendenken unterstellt wird, legt man mir nahe, die Katzenhaare an meiner Kleidung zu entfernen. Ich liebe das Schreiben und die Muse spielt mir manchmal mit der Zunge im Ohr. Und das ist mein Blog.
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Ich hatte heute Nacht einen verrückten Traum. Es ging augenscheinlich um Medien … Zeitungen, Fernsehen, Magazine, Websites … Informationsportale aller Art.
Keine Sorge. Ich werde nun nicht berichten, wie ich in schlechten Bild-Schlagzeilen ertrank oder mir an der Tagesschau die Zähne ausbiss. Stattdessen handelte der Traum von einer Gesellschaft, die schlicht gesagt die Kunst der Medienselektion beherrschte.

Noch simpler ausgedrückt: Es gab keinerlei Meldungen mehr, die keinem was nützten. Reine Informationen waren natürlich verfügbar; wenn z.B. auf der anderen Seite der Welt die Hölle losbricht, würden wir davon erfahren. Aber ob Westerwelle sich erneut verhaspelt hat, Lena Meyer-Landrut langweilt oder ein weiterer DSDS-Star beim Drogenkonsum erwischt wird spielt eine klar untergeordnete Rolle. Wozu auch? Der Kreislauf der Nachrichten wird in dem Traum durchschaut. Es wird hoch gejubelt, nur um fallen zu lassen. Denn wenn ich jemanden/etwas dank unzähliger Meldungen populär ohne Ende werden lasse, kann es nur noch eine Richtung des Wachstums geben: Rückwärts. Denn schlechte Neuigkeiten sind genauso gewinnbringend.

Wir fördern Justin Bieber/Neuer/Lena/CDU-FDP/Grüne/DSDS-Pietro/zu Guttenberg/usw. bis zu einem gewissen Grad. Bis wir satt sind. Das Fass zum Überlaufen gebracht ist. Aber wer ist daran schuld? Die Medien, die stets neuen BS dieser Art produzieren? Oder eher die Konsumenten, die durch ihren Konsum signalisieren: Mehr davon! Ich habe noch Hunger!

Zurück zum Traum. Natürlich war der Smalltalk am Arbeitsplatz oder in der Uni etwas anders. Man regte sich weniger über den neuesten Skandal auf. Auch Sendungen wie “Mitten im Leben”, die ja auch ein höchst zwiegespaltenes Ironie-Fernsehen fördern (“Ich schaue das nur zur Belustigung”), spielten keine Rolle mehr. Besinnung auf das Wesentliche. Du und ich. Wie gesagt, es war ein Traum. Von daher war es möglich, eine Emotion vollkommen unter dem Tisch fallen zu lassen: Angst.
Angst vor der Leere. Angst vor der Stille. Angst vor einem selbst. Denn wenn keiner mehr “mein Gefäß auffüllt”, d.h. meine Person/Geist/Verstand versorgt, muss ich es selbst erledigen. Die Panik, da grobe Fehler zu machen, scheint derartig groß, dass ich mich auf Medien verlasse. Medien, die neue alte  Religion.

Ich erwachte und schlurfte nach dem üblichen Badezimmerbesuch ins Wohnzimmer. TV ein und wenige Minuten Musikantenstadl geschaut. Ich war wie hypnotisiert. Andy Borg wollte mich unbedingt “mit guter Laune anstecken” und ich sah mich schon zum Takt klatschen. Zum Glück klingelte aber mein Telefon und ich konnte mich ablenken und sogar von meinem Traum erzählen. Die Reaktion war eher verhalten. Stattdessen wurde ich gefragt, ob ich an den erneuten Sieg von Lena glaube. Irgendwie fühlte ich mich unter Druck gesetzt. Meine Antwort muss schnell kommen, sonst ist es möglicherweise zu spät. Schließlich sind wir bereits im Rückwärtsgang.